Die Köpfe

Verspielt trotz Verantwortung
Vielleicht sollte es so sein. Vielleicht ist es Zufall. Wer weiß. Meine Liebe gilt kleinen italienischen 50-Kubikzentimeter-Geländemaschinen. Sie haben mich durch meine Jugend in den 80ern gebracht. Und jetzt füllen sie wieder einen Teil meines Lebens aus. Als Oldtimer. Sie bringen mir das Lebensgefühl zurück und bieten mir ein neuronales Gewitter: Freiheit und eine Portion Sorglosigkeit. Wie damals. Wunderbar.
Meine Freunde fuhren auch Moped. Auch Frank. Klar. Ein zentraler Punkt unseres Lebens. Man könnte meinen, dass die Mopeds von damals das waren, was die Handys von heute sind. Ein Kommunikationsmittel. Wer Freunde treffen wollte, musste fahren. Busse und Fahrräder waren einfach uncool. Und telefonieren war damals teuer und nicht intim. Denn das graue Teil mit Wählscheibe hat im Wohnzimmer gestanden. Heute brauchst du nur schreiben oder skypen. Deshalb waren sie uns so lieb.
Als studierter Kulturwissenschaftler und gelernter Journalist liegt es wahrscheinlich in mir, zu suchen, zu finden, zu filtern, was eine Gesellschaft bewegt, wo der Schuh drückt. An meinem Geburtstag hat sich das verdichtet und in der Kalender-Idee realisiert: Wir sind noch da. Sehr gerne. Verspielt trotz der Verantwortung, die wir gerne unseres Alters wegen übernehmen. Vielleicht werden wir wahrgenommen, wie wir es gar nicht sind. Da lag unser Motto nicht fern: „Wilde Fünfziger. Rocken statt rosten.“ Es fügt sich zusammen.
In Frank habe ich den richtigen Sparringspartner für unser Projekt gefunden. Als Auge, als Motivator, als Kreator, als Freund. Es sollte so sein.
Fotografie bedeutet für mich, genauer hinzusehen.
Mich interessieren Menschen, Dinge und Augenblicke, die eine Geschichte erzählen. Oft sind es gerade die vertrauten Dinge, in denen sich etwas Verborgenes entdecken lässt. Seit meiner Kindheit begleitet mich die Fotografie. Neben meinem Beruf als Wirtschaftsinformatiker entwickelte sich daraus eine immer intensivere Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Licht und der Wirkung eines Bildes.
Wilde50er ist aus dieser Leidenschaft entstanden. Mich reizt es, das Lebensgefühl einer Generation, der ich selbst angehöre, in eine eigene Bildsprache zu übersetzen. Für mich standen Mopeds – wie für viele andere – für Freiheit, Abenteuer und ein Stück Unabhängigkeit. Dabei geht es mir um mehr als Mopeds und Menschen. Charakter, Lebensfreude und Selbstbewusstsein gehören für mich genauso zu Wilde50er wie Zweitaktmotoren, Chrom und die Ästhetik vergangener Jahrzehnte.
Neben Wilde50er entstehen weitere fotografische Arbeiten, in denen ich mich mit Erinnerung, Musik, Bewegung und Licht beschäftige. Besonders fasziniert mich, wenn aus etwas Vertrautem etwas völlig Neues entsteht – wenn eine Schallplatte plötzlich wie ein fremder Kosmos erscheint oder Bewegung zu einer abstrakten Bildsprache wird.
Ob Moped, Mensch oder Schallplatte: Mich interessiert immer das, was hinter dem Offensichtlichen liegt.

