„Wilde 50er“ in zwölf Akten sind jedes Jahr stark


Die „Wilde50er“-Story ist ein Gewinner. Von Anfang an. Schließlich hat der erste Kalender von 2024 dieser Serie auf Anhieb doppelt abgeräumt. Der Calvendo-Verlag hat ihn aus 30000 Kalendern unter die 100 besten gewählt. Nicht nur das, zudem verlieh die Jury dem „Wilde50er“-Erstlingswerk in der Kategorie „Menschen“ zusätzlich die Goldmedaille. Der Nachfolge-Kalender aus 2025 hat sich ebenfalls eine Goldmedaille verdient.

Die beiden „Wilde50er“, Frank Kremer und Richard Kiefer, können diese Erfolgsserie kaum fassen und sind überglücklich darüber, dass die Idee aus 2023 so viel Resonanz erhalten hat.


 „Weißt Du noch…“, das ist ein entscheidender Satzanfang. Was daraus entstanden ist, ist eine Geschichte über Freundschaft, Selbstreflexion, Zeitgeist und Alter in Form von jeweils zwölf Pin-up-Fotografien als Teil- und Vollakt von Mittfünfziger-Männern. Geboren ist die Idee in einer Bierlaune während eines 56. Geburtstages. Dabei hatte ein Werkstatt Pin-Up-Kalender mit jungen Frauen auf Oldtimermopeds inspiriert. „Er gehört einfach zum Schrauberdasein dazu, wie ein 13er Maulschlüssel“, sagt Richard Kiefer, einer der beiden Initiatoren, der in seiner Freizeit alte italienische 50-Kubikzentimeter-Mopeds restauriert. „Warum dieses Sujet nicht verkehren und Männer im besten Alter zeigen“, stellte der heute 60-Jährige damals die Frage in die Runde seiner Freunde.


Gleichberechtigung, aber auch Gesellschaftskritik verpackt mit ein wenig Humor und Selbstironie spielen dabei eine Rolle. „Die Porträtserie zielt darauf ab, die Mittfünfziger ästhetisch in unterschiedlichen Szenarien ansprechend aufzunehmen. Das zentrale Anliegen ist, den Umgang mit dem Älterwerden darzustellen und sich auch zu seinem Körper zu bekennen“, sagt Fotograf Frank Kremer. Der ebenfalls 60-Jährige ist ein Freund von Kiefer und das „Auge“ und Fotograf des kreativen Duos.


Dabei stellen sie sich auch weitere Fragen: „Wir sollen schon fast zum „Alten Eisen“ gehören?“ Und: „Müssen wir erwachsen sein um den Willen des Erwachsenseins?“ Die beiden Marburger geben sich auch gleich die Antwort darauf: „Nein. Selbst unsere großen Kinder finden uns noch cool. Und das sagen sie nicht, um größere Geschenke zu bekommen“, witzeln sie. Frank Kremer und Richard Kiefer zeigen, dass Männer verspielt sein dürfen und auch offen - trotz ihrer Verantwortung. Und nicht alles bierernst nehmen müssen. „Wir haben die Charaktereigenschaften der Männer mit dem entsprechenden Moped und der Location in Einklang gebracht, um die Bildaussage glaubwürdig zu unterstreichen“, so Kremer. Das war leicht. „Wir kennen die Models sehr gut. Schließlich sind wir seit Jahrzehnten Freunde. Jeder hat seinen Platz gefunden“, freut sich Kiefer. Viele Bildideen wurden entwickelt, angepasst und auch wieder verworfen.


„Erst hatten wir bedenken, dass unsere Freunde nicht mitmachen. Das war unbegründet. Sie waren Feuer und Flamme“, so Richard Kiefer. Sie kamen extra aus Hamburg, Köln und auch Ludwigshafen. „Die meisten aber aus Marburg. Hier wurden auch alle Fotos geschossen“, sagt Frank Kremer, der Teile dieser Serie als Abschlussarbeit für seine Ausbildung zum Fotodesigner eingereicht hatte und dadurch erfolgreich beenden konnte. „Die Shootings waren zwar anstrengend, aber letztlich für alle ein Riesenspaß. So sollte es sein“, sind sich die beiden einig.


Wir sind noch da. Sehr gerne. Und hoffentlich noch lange. Verspielt trotz der Verantwortung, die wir gerne unseres Alters und unserer Erfahrung wegen übernehmen. Vielleicht werden wir heute wahrgenommen, wie wir es gar nicht sind und es nicht wollen. Da lag unser Motto nicht fern: „Wilde 50er. Rocken statt rosten.“